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| »Station 17«: Das sind zehn Profis, von denen sechs eine Behinderung haben.
Sie spielen in einer Band, die mit herkömmlichen Kategorien kaum zu fassen ist.
Und sie haben Erfolg. Mittlerweile ist »Station 17« Kult.
ARTE zeigt ein Porträt dieser verrücktesten Band der Welt. Donnerstag, den 5. August 2004, um 22.40 Uhr STATION 17 - DIE VERRÜCKTESTE BAND DER WELT Dokumentation von Broka Hermann ARTE/HR, D 2003, 58 Min. Erstausstrahlung Thorsten, der gut aussehende Keyboarder mit schwerer geistiger Behinderung, springt nach seinem Auftritt von der Bühne, mitten ins Publikum. Er ist sauer, weil er nicht noch ein Stück spielen darf. Andy, der Sänger mit Down-Syndrom, schmuggelt ständig Dialoge von Heidi und Pinocchio in seinen Rap. Er kennt sie alle auswendig und ärgert damit die ganze Band. Das sind Szenen einer Tournee zwischen Normalität und Wahnsinn. Kai Boysen hat das Projekt »Station 17« Anfang der 90er Jahre begonnen. Inzwischen hat er prominente Helfer. Manche von ihnen haben schon in weltbekannten Gruppen wie »Sisters of Mercy« oder »Echt« gespielt. Andere wiederum waren vor Jahren noch weggeschlossen auf der Station 17 der evangelischen Stiftung Alsterdorf, daher rührt der Bandname. Die Band ist mittlerweile Kult. Ihre Hits wie »Himmel über Hamburg« oder »Techno 17« werden im Radio gespielt und ihre neueste CD wurde tausendfach verkauft. Die musikalische Palette reicht von Funk über Hip-Hop und Rock 'n' Roll bis zum Rap. Die Auftritte haben die Musiker selbstbewusst und selbstständig gemacht. Mit den Instrumenten in der Hand verwandeln sie sich in völlig andere Personen. Zehn Jahre nach den ersten Versuchen innerhalb musiktherapeutischer Projekte haben sie sich als Vollprofis durchgesetzt. Sie finanzieren sich mit Konzertreisen und CDs und wohnen in betreuten Wohngemeinschaften. Mittlerweile tourt die Band weit über Deutschland hinaus. Aber nicht nur auf Tourneen sind die gegen-sätzlichen Charaktere schwer zusammenzuhalten. Schon die geringsten Irritationen bringen sie aus der Fassung. In solchen Momenten sind die »Normalos« gefragt - so nennen die Behinderten ihre Betreuer und Band-Kollegen - mit Überredungskunst, Erfahrung, Einfühlungs-vermögen und Nerven aus Drahtseilen. Und dennoch bleiben alle dabei. Der Film begleitet die Gruppe auf Tourneen, zeigt die komplizierte Entstehung von Musikstücken, spürt hinter den Kulissen den gruppendynamischen Prozessen nach und kommt den Akteuren sowohl privat als auch bei der Arbeit ganz nah, auch und gerade da, wo sie ihre spezifischen Macken ganz besonders pflegen. Die Nähe zu den Akteuren, Behinderten wie Nichtbehinderten, erzeugt ein ständiges Wechselspiel zwischen den Realitäten - bis an die Grenze zum Surrealen. Broka Herrmann ist Autor von u.a. »Von Männern und ihren harten Jobs« (2004), »Endstation Freiheit« (2004), »Flucht ins Leben« (2003), »Im Techno-Rausch« (zus. mit Roberto Coppellati, 1996). |
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